Das Münchner Ifo-Institut hat scharfe Kritik an den US-Zöllen geübt. „Es ist ein bitterer Tag für die Weltwirtschaft“, sagt Handelsexpertin Lisandra Flach. „Das, was wir gesehen haben, hat nichts mit Reziprozität zu tun. Die Zolldifferenz zwischen den USA und der EU beträgt durchschnittlich nur 0,5 Prozentpunkte – im Vergleich zu der angekündigten Zollerhöhung von 20 Prozent.“
Die geplante Zollerhöhung markiere „einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft und gefährdet damit fast 80 Jahre des Multilateralismus“, sagt Flach. Für die Deutsche Wirtschaft erwartet sie als Folge „zunächst einen dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3 Prozent“, wobei einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau stärker betroffen seien.
Insgesamt leide der Deutsche Handel dreifach: „Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert, zweitens, weil Deutschland aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit Chinas weniger nach China exportiert, und drittens durch einen Anstieg im Wettbewerb in Deutschland, wenn beispielsweise China nach neuen Märkten sucht, um die zuvor in die USA exportierten Produkte zu verkaufen.“
Geschlossenheit gefordert
Der EU rät Flach mit „größtmöglicher Geschlossenheit“ auf die neuen US-Zölle zu reagieren und konkrete Gegenmaßnahmen anzukündigen. Sie warnt aber: „Eine übereilte Reaktion mit Gegenzöllen wäre jedoch kontraproduktiv und könnte eine Eskalationsspirale anheizen.“
Insgesamt sei eine Zollspirale „aktuell das größte Risiko für die Weltwirtschaft“, sagt die Expertin. „Die US-Zollerhöhung ist wahrscheinlich die bedeutendste unilaterale Zollanhebung seit Jahrzehnten. Die entscheidende Frage ist, wie andere Länder reagieren – nicht nur auf die US-Zölle, sondern auf Protektionismus im Allgemeinen. Eine Eskalation könnte im schlimmsten Fall den Handel zum Stillstand bringen.“