UN-Generalsekretär António Guterres fordert Israel auf, auf die angekündigte Besetzung von Gaza-Stadt im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens zu verzichten. „Hunderttausende Zivilisten würden erneut zur Flucht gezwungen und Familien in noch größere Gefahr geraten. Das muss aufhören. Es gibt keine militärische Lösung für diesen Konflikt“, schrieb Guterres am Abend auf der Online-Plattform X. Die Zivilbevölkerung in Gaza sehe sich einer „weiteren tödlichen Eskalation“ ausgesetzt. Die Ankündigung Israels, Gaza-Stadt zu besetzen, läute eine neue und gefährliche Phase ein.
Anfang August hatte das Kriegskabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Plan zur schrittweisen Wiederbesetzung des Gazastreifen genehmigt – beginnend mit Gaza-Stadt. Der Plan sieht die Vertreibung von fast einer Million Palästinenser in den Süden Gazas vor. Dort soll angeblich ihre Versorgung mit humanitären Hilfsgütern gewährleistet werden. Am Mittwoch hatte ein israelischer Militärsprecher die Vorbereitungen für den Vertreibungsplan bestätigt.
Hilfsorganisationen kritisieren immer wieder die katastrophalen Bedingungen im Süden des Küstengebiets. Es wird befürchtet, dass die neue israelische Invasion die Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen weiter verschlimmern wird.
Guterres: Gaza ist übersät mit Trümmern und Leichen
Guterres schrieb weiter, das Ausmaß an Tod und Zerstörung in Gaza sei in der jüngeren Geschichte beispiellos. „Gaza ist übersät mit Trümmern, Leichen und Beispielen für mögliche schwerwiegende Verstöße gegen das Völkerrecht. Wir brauchen eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe.“ Die israelischen Gefangenen müssten zudem unverzüglich freigelassen werden.
Israel habe als Besatzungsmacht klare Verpflichtungen. „Es muss die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Gütern sicherstellen.“ Zudem müsse Israel einem weitaus besseren Zugang für humanitäre Hilfe zustimmen und diesen ermöglichen, erklärte der UN-Chef.